Wir bedanken uns u.a. bei folgenden Spendern: Almut Bayerle, Dorothea Bayerle, Hermann Beste, Andre Birkholz, Dr. Marlies Braune, Dr. Alexander Deißler, Karin Domschke, Dr. Andreas Donner, Dr. Dorothea Donner, Dr. Rita Eichler, Ursula Fischer, Christine Freifrau von Saß, Renate Gerhard, Henning Gienap, Diethard Graf v. Bassewitz, Karin Haring, Klaus Hartig, Hagen Heiling, Katharina Henning, Mathias Herrde, Henning Heuter, Susan Heuberger, RA Hans- Martin Hoeck, Peter Kahlbom, Hans- Wilhelm Kasch, Erhard Koepke, Florian Kolm, Dr. Katharina Körner, Christine Körner, Dr. Christof Lascho, Dr. Jost Mediger, Dr. Burkhardt Meyer, Heiner Möhring, Anja Müller, Frank Müller, Manfred Nauck, Oliver Nordmann, Dr. Wilhelm Pagels, Erdmute Pech, Toralf Pelz, Winfried Petersen, Dr. Inga Quoß, Dr. Mathias Redlin, Bernhard Reemtsma, Christina Reuter, Frank Reuter, Valerie Riedesel, Philipp Freiherr Riedesel, Claudia u. Larsen Rothaupt, Henning Röders, Karl- Heinz Sadewasser, Dr. Reinhard Schlenzka, Gudrun Schlenzka, Bernadette Schlenzka, Dr. Heinke Schley, Dr. Gaston Schley, Dr. Gerlinde Schmidt, Götz Schulte, Hans- Martin Schwerin, Hans-Joachim Schwerin, Hildebrand Schwerin, Karl- Bernhard Schwerin, Mathias Schwerin, Thomas Schwerin, Dr. Berndt Seite, Siebrand Siegert, Katrin Sooß, Manfred Sorg, Dietrich Steinwede, Nadine Stüwe, Friedrich Oertzen- v. Wadlow, Artur Weber, Christa Weber, Elisabeth Weigl, Uwe Tanneberg, Heiner Schumacher, Marita- Möller Wolf, Dr. Christoph Ehricht, Katrin Sievers, Hannelore Schlaak Robatzek, Manfred Tietz , Henning von Wahl, Elisabeth Wanckel, Günter Bertram, Dr. Jürgen Ohls, Constanze Böhm, Barbette Bormann, Heinz Priefer, Georg Wossidlo, Eckart Ohse, Marlene Ohse, Fritz Pfaffenholz, Ulf Breske, Adelheid Tuve, Dr. Arne Kiekbach, Daniel Löpmeier, Wilhelm Pagels, Christiane von den Berg, Reimer Stapf, Astrid-Lindgren-Schule Schwerin, Diakoniewerk Neues Ufer gGmbH, CDU Landesfraktion M-V, Rostocker Stadtmission e.V., Förderverein Demmin, Lehrerinnen Walkendorf, Evangelische Kirche Westfalen, Evangelische Schule Neustrelitz, Evangelische Schulstiftung M-V, Kirchenkreis Güstrow, Evangelische Schule Hagenow, Evangelische Schule Neubrandenburg, Kirchengemeinde Ahrensfelde (Berliner LK), Kirchengemeinde Grüssow/Satow, Kirchengemeinde Malchin, Rewe Markt Karin Domschke OHG, Nordmann Unternehmensgruppe, Zahnarztpraxis Dr.Deißler, Maschinenbau Technologie Herrde, Planwerk Plate, ComIn GmbH Schwerin




„Evangelische Schule“ unter tansanischen Bedingungen: Probleme, Hintergründe, Entwicklungen

Es geht im Wesentlichen um die fünf Schulen in der Parediöcese. Vier von ihnen haben ihre Ursprünge in den Anfängen der christlichen Mission Ende des 19. Jahrhunderts. Deren drei Säulen waren Gemeinde, Schule und Dispensery – Gemeindeschwesternstation, Sozialstation. Die Schulen sind ein Teil der bis in die Anfänge der achtziger Jahre zurückreichenden Partnerschaft zwischen der Ev.-luth. Landeskirche Mecklenburgs und der lutherischen Parediöcese.

Drei der Schulen (Usangi Girls, Shighatini, Manka) sind sog. Mittelschulen (Sec. Schools). Der Schule in Mruma ist seit 2007 die Abiturstufe angegliedert, der Schule in Dindimo seit 2006 ein College für die Ausbildung von LehrerInnen . 
Usangi Girls, Shighatini und Mruma liegen in den Nordparebergen, Manka und Dindimo in den Südparebergen. 

Die Schülerinnen und Schüler rekrutieren sich zum einen aus dem regionalen Umfeld, zum anderen aus den größeren Städten, z.B. Arusha und Dar-Es-Salaam. Für viele Eltern ist die Schulbildung außerhalb der unüberschaubaren Situation für junge Menschen in den größeren Städten in davon wenig berührten Internatsschulen - z.B. in den mühsam zugänglichen Parebergen - eine bewusst gewählte Lösung. Zu jeder Schule gehört also ein Dormitorium, ein Gebäude mit einem Schlafsaal bzw. kleinen und engen Kammern mit Doppelstockbetten. Die Ausstattung ist sehr schlicht und ohne die bei uns selbstverständlichen sanitären Einrichtungen. Die Schulen sind nach unserer Sprachregelung nicht nur Ganztagsschulen, sondern Internatsschulen. Die jungen Menschen bewegen sich auf einem überschaubaren, nachts bewachten und auch sonst beobachteten, begrenzten Gelände. Damit sind sie über den Unterricht hinaus im Aufmerksamkeitshorizont der Schule, eine schwierige Aufgabe trotz der die ganze Gesellschaft prägenden autoritären Grundstruktur. 

Jede Schule ist wie ein Campus angelegt, mit einem Verwaltungsgebäude, Gebäuden mit Unterrichtsräumen, auch Fachräumen – alle mit mäßiger, Ansprüchen der Fachlichkeit nicht gerecht werdender Ausstattung. Das betrifft besonders den naturwissenschaftlichen Bereich. Die Hilfsmittel für den Unterricht sind unzureichend, wenn überhaupt gegeben. Gelegentlich begegnet man Regalen oder Schränken mit wirklich sinnlosen literarischen Oldtimern aus Westeuropa oder den USA. Sie sind völlig ungeeignet für eine Anreicherung oder Unterstützung des Unterrichts. 

Beinahe in jedem Dienstzimmer der Schulleiterin bzw. des Schulleiters sind auf einer Tafel die Namen, Ausbildungsvoraussetzungen und Fächer der Lehrenden in der Schule angegeben. 

Nur wenige LehrerInnen haben ein Studium mit einem Diplomabschluss absolviert. Viele von ihnen wurden nach ihrem Abitur, weil sie vielleicht Pädagogik studieren wollen, in einer einmonatigen Schnellausbildung auf eine Lehrtätigkeit vorbereitet und dann als LehrerIn angestellt. Sie erhalten einen geringen Lohn. Wenn ausgebildete LehrerInnen monatlich etwa 110 € verdienen, erhalten im Vergleich zu ihnen kaum ausgebildete natürlich weniger Gehalt. Ihre Anstellung ist im Vergleich zum pädagogischen Anspruch der Schulen keine adäquate Lösung. Sie erweist sich aber als eine durch die allgemeine und durch die Situation der Schulen einzig mögliche Lösung. Sie sichern die unterrichtliche Versorgung, jedoch nicht eine Qualitätsentwicklung. Hinzuzufügen ist, dass sich der Unterricht durchgängig auf eine frontale auf Wissensvermittlung beschränkt. Eigenbeiträge der SchülerInnen, Projekte oder andere dialogische Arbeitsformen gehören der Erfahrung nach nicht zur Schulpraxis. Das Potential an LehrerInnen wird insgesamt immer geringer. Wenn zunehmend neue staatliche Schulen eingerichtet werden, nimmt natürlich die Zahl der potentiellen Lehrkräfte für die evangelischen Schulen ab. Zum anderen befinden sich die evangelischen Schulen in einer eigentlich nicht verantwortbaren Notlage.

Jede Schule ist in allen Positionen für sich selber verantwortlich. Die rechtliche Formulierung, dass die Schulen Schulen nicht in, sondern der Diözese sind, hat keine Konsequenzen für strukturelle, personelle und investive Fragen. Die Sorge für alles obliegt jeder Schule. So haben sie sich gewissermaßen zwangsläufig zu autonomen Einrichtungen entwickelt. Aber diese Aussage müsste wiederum relativiert werden.

Die Schulen leben von dem Schulgeld. Dieses kommt einerseits regelmäßig ein, wenn es stipendiert ist. Das privat zu zahlende Schulgeld entscheidet über das Wohl und Wehe jeder Schule. Es wird nicht nur gelegentlich nur teilweise oder in sehr kleinen Raten gezahlt. Oft müssen die SchülerInnen aufgefordert werden, es von den Eltern abzufordern und mitzubringen. Nicht selten wird es gar nicht gezahlt. Damit sind zum Beispiel regelmäßige Gehaltszahlungen nicht möglich. Dieses unterstützt Fluktuationen, die für alle schulischen Prozesse höchst schädlich sind. Lehrerinnen verlassen die Schule, wenn sie bei einer staatlichen angestellt werden können. Der schon vor Jahren in unserer Landeskirche eingerichtete Stipendienfonds kann teilweise die beschriebene Situation entlasten. Andererseits ermöglicht er den Schulbesuch Kindern aus sozial schwachen Familien, die auch nicht ansatzweise das Schulgeld aufbringen können.

An dieser Stelle wird angemerkt, dass die von den Schulleitern wahrzunehmenden Aufgaben, also ihre Verantwortung für alles, eine Überforderung ist. Sie sind ja zuerst Pädagogen und keine Manager. Wer talentiert ist oder bereits über Erfahrungen verfügt, hat es leichter als jemand, der zuerst und vor allem Lehrer sein will.

Nach mehreren bilateralen und Gesprächen mit allen SchulleiterInnen wurde 2004 entschieden, in jeder Schule ein Computerkabinett einzurichten. Die Begründungen dafür waren: Auf diese Weise könnte die Qualität der Schule angereichert werden. Die Kabinette würden außerdem auf die Schulen aufmerksam machen und für eine größere Schülerzahl sorgen. Zum anderen setzen die Universitäten, Fachhochschulen etc. „basic knowledge and capabilities in computer sciences“ voraus. Eingerichtet wurden bisher neun Kabinette, über die fünf Schulen hinaus auch in dem Evangelistenseminar Usangi Bible, in dem Rehabilitation Centre in Usa River (Arusha) und in zwei staatlichen Schulen in Same und in Chome. Insgesamt wurden mehr als 150 Computer installiert. Zu den jährlichen Aktivitäten gehören auch Weiterbildungen für die Informatik Unterrichtenden.

Seit zwei Jahren wird in jeder Schule eine Bibliothek für SchülerInnen mit Klassensätzen für jedes Fach und jede Klasse eingerichtet. Dieses wird die pädagogische Kultur grundlegend verändern. Über die ersten Schritte wurde u.a. auf der Website berichtet. Im kommenden Jahr soll dazu eine Weiterbildung angeboten werden. Generell wurde nach Weiterbildungen für die LehrerInnen besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch in Psychologie und Philosophie gefragt. In der letzten Zeit wurde darauf hingewiesen, dass auch für LehrerInnen Computerkurse angeboten werden sollten. Derzeit werden Bausteine für ein Weiterbildungsprogramm für die nächste Zeit gesammelt und bewertet.

Viele Gespräche in den vergangenen Jahren, auch mit LehrerInnen und SchülerInnen, unsere Beobachtungen und Überlegungen haben dazu geführt, dass als Ergebnis Empfehlungen für die weitere Entwicklung der Schulen formuliert und übergeben wurden. Sie sollen von dem Direktor für Erziehung und Bildung mit den SchulleiterInnen diskutiert werden. Schulleiter Humphrey Mbaga ist dabei ein wichtiger Gesprächspartner. Mit ihm, dem Direktor für Erziehung und Bildung und dem Generalsekretär der Diözese, der sein Vorgänger in der Leitung der Schule in Manka war, sind wesentlich das Auffällige und Anliegende diskutiert worden.

Die Schulen bedürfen für ihre pädagogische Arbeit einer koordinierten Sicherung der Rahmenbedingungen. Das setzt ein erweitertes, aktives Interesse und Engagement der Diözese voraus. Dieses betrifft einerseits finanzielle, strukturelle und investive Fragen, andererseits auch wesentlich inhaltliche Fragen.

Die Schulen bedürfen einer engeren Zusammenarbeit durch eine vor allem auf ihre inhaltliche Arbeit bezogene Vernetzung. Sie sollten sich als eine Schulengemeinschaft verstehen und erleben können, damit auch als ein Schulenverbund mit der Chance gegenseitiger Entlastungen. Dieses könnte durch engere Arbeitskontakte der nahe beieinander liegenden Schulen in den Nord- und den Südparebergen, durch Schulleiterinnentagungen jeweils in einer anderen Schule, durch LehrerInnenaustausch nicht nur im Bedarfsfall, sondern als Teil der Qualitätsentwicklung (z.B. Fachlehrer, die nicht nur an einer Schule tätig sind) realisiert werden.

Erforderlich sind kontinuierliche und bedarfsorientierte Weiterbildungen jeweils auch wechselnd an infrage kommenden Schulen, durch die einerseits die pädagogische Qualität der und in den Schulen verbessert werden kann, andererseits Kontakte zwischen den LehrerInnen entstehen, die das Gemeinschaftsgefühl fördern.

Die zunehmenden staatlichen Schulen stellen den kirchlichen deutlich die Identitätsfrage als Frage nach dem Spezifischen und Unterscheidenden. Dieses ist kaum bewusst und ist in den Schulen und dann auch in der Gemeinschaft der Schulen zu erörtern.

Insgesamt sind die Schulen ein wichtiger Teil der Arbeit der Diözese und in ihr. Sie sind nach wie vor eine Säule in der Aufgabe der Präsenz der Kirche und des christlichen Glaubens. Sie sind insgesamt ein Beitrag zur Bildung und Erziehung der heranwachsenden Generationen angesichts des allgemeinen Mangels an Schulen, vor allem auch an „guten“ Schulen. Sie sind zweifellos wichtige Einrichtungen, die nach wie vor der Unterstützung und Förderung bedürfen.